Herzraumerfahrung
Der Körper ist der Tempel des Göttlichen und das Herz ist der Altar.

Echtes Leben leben
Herzraumgruppe
In der Gruppe bist Du Teil von etwas Größerem und wirst Zeugin anderer innerer Entfaltungsprozesse. Unser Leben ist zutiefst geprägt von Beziehungen. Und niemand ist frei von Schwierigkeiten dabei. So haben wir schon früh verschiedene Strategien entwickelt, um mit den Herausforderungen unseres ursprünglichen Familiensystems klar zu kommen. In der Gruppensituation können wir diese Verhaltensweisen überprüfen und schauen, ob sie wirklich noch aktuell sind.
In einer kontinuierlich, fortlaufenden Gruppe entstehen tief gehende Veränderungen.
Herzraum
Die Philosophie dahinter
Das Herz ist das Zentrum unseres Wesens. Der Raum des Herzens öffnet sich in unbekannte Dimensionen. Lass sie uns betreten und erforschen!
Medizinische Forschung
Unser Herz verfügt über ein komplexes, intrinsisches Nervensystem mit etwa 50.000 Zellen. Darunter sind Nervenzellen, die bisher nur im Gehirn nachgewiesen wurden (Gliazellen). Das Herzhirn kommuniziert bidirektional mit dem Gehirn. Wobei der Vagusnerv eine wichtige Rolle spielt. Die Impulse vom Herz zum Gehirn sind weitaus mehr als in die andere Richtung.
Das Herz hat ein elektromagnetisches Feld, das 60-100 Mal stärker ist als das Feld des Gehirns. Das alles ist messbar. Es ist das kräftigste rhythmische Feld des Körpers, das sich weit in den Raum erstreckt. Studien deuten darauf hin, dass es möglicherweise Informationen zwischen Menschen überträgt, wobei dies vom emotionalen Zustand abhängig ist. Auch gibt es Vermutungen, dass das Herz über eine eigene Erinnerung verfügt. (HeartMath Institute)

Religion
In den meisten religiösen Traditionen nimmt das Herz einen zentralen Platz ein.
Ich kann mich gut erinnern, wie ich in Indien auf einer Hängebrücke den Ganges überquerte und dort an einer Statue des Hanuman vorbei kam. Der Affengott hat den Brustkorb aufgerissen, und darin ist ein pulsierendes Herz zu sehen. Eine riesengroße Statue mitten im Fluss, die mich nachhaltig beeindruckte.
Die Meditation über Mitgefühl ist zentral im Buddhismus. »Om Mani Padme Hum«- die Vereinigung von Mitgefühl und Weisheit wird unzählige Male im Leben wiederholt. Unzählbar viele Steine sind mit diesem Mantra beschriftet und tragen seine Schwingung in die Welt der Materie.
»Liebe, deinen Nächsten wie dich selbst«, ist die zentrale Aussage im Christentum, in der Nächstenliebe und Selbstliebe verbunden werden. Maria wird nicht selten mit einem pulsierenden Herzen dargestellt.
Im Namen des Großzügigen, Mitleidvollen und Barmherzigen »bismi ʾllāhi ʾr-raḥmāni ʾr-raḥīmi«, damit beginnt bis auf eine jede Sure im Koran. Die Religion und spirituellen Pfade der verschiedensten Traditionen erinnern uns in unzähligen Beispielen an die zentrale Bedeutsamkeit des Herzens. Das ist gewiss nicht grundlos.
What if?
Wie wäre es, wenn wir gezielt unsere Aufmerksamkeit in dieses Zentrum verlagern? Aus dem Kopf hinunter in das Herz. Und von da aus ins Leben.
»Wir sehen nur mit dem Herzen gut.«, die häufig zitierte Aussage im kleinen Prinzen kommt unscheinbar daher. Die Umsetzung ist nicht immer leicht. Im Herzen fühlen wir Gefühle wie Sympathie, Empathie, Mitgefühl, Liebe, Dankbarkeit, Verbundenheit, Lebensfreude und Ekstase.
Diese Gefühle denken wir nicht. Wir fühlen sie in unserem Innersten. Wie wäre eine Welt, die nicht Kopf- und Gehirn-basiert, sondern Herz-basiert orientiert ist?
In einer technisierten Welt wird das Fühlen mehr und mehr abgeschafft. Das ist so ähnlich wie mit dem Artensterben.
Unsere Gefühle stumpfen durch die Überflutung mit Emotionen aller Art zum Beispiel aus den sozialen Netzwerken ab. Wir verlieren den Überblick und den tatsächlichen Zugang zu unserem eigenen Herzen. Nachrichten aus der ganzen Welt überschwemmen uns. Es mangelt an direktem Herzenskontakt von Mensch zu Mensch und führt eher zu einer Gefühlsarmut.
Sexualität und Beziehung
Im Tantra gehen wir von einem magnetischen Körperbild aus. Hierbei ist der positive Pol der Frauen ihr Herz. Es ist ihre zentrale Kraft. Bei den Männern sind es die Genitalien. Im Tantra wird gesagt, dass die Männer im Herzen mit ihrem negativen Pol des Magneten die Gefühle der Frauen empfangen können. Bei den Frauen wird der aufnehmende negative Pol dem Schoß zugeordnet.
Leider kommt uns hier unsere Geschichte in die Quere. Seit Jahrtausende mussten die Männer in den Krieg ziehen. Und ich frage Dich, wie kann man sein Herz offen halten, wenn man jemanden tötet, foltert, zerstückelt, missbraucht oder vergewaltigt? Das funktioniert nicht.
Ähnlich ist es bei der Frau. Wie ist es für sie möglich ihren Schoß entspannt zu öffnen, wenn Frauen seit Jahrtausenden unterdrückt, verstümmelt, vergewaltigt missbraucht, geschändet und verkauft wurden und noch werden.
So sind wir in einem großen Dilemma als Menschheit gelandet. Wir stehen gegenseitig vor verschlossenen Toren. Es braucht eine riesengroße Portion Geduld, Mitgefühl, Verständnis, um einander in der Tiefe zu begegnen, ohne von den Schwierigkeiten abgelenkt oder gar überrollt zu werden.
Bindung und Beziehung haben wir nicht in der Schule gelernt. Ebenso nicht an der Universität. Als Paartherapeutin ist mir dieses Dilemma zutiefst vertraut. Im Grunde wünschen sich die meisten Menschen, einander nah zu sein und zu lieben. Doch die wenigsten wissen, wie das geht. Es erscheinen unzählige Hindernisse auf dem Weg, die es gilt zu begegnen.
„Hinter allem Hass, aller Enttäuschung und Furcht und anderen negativen Gefühlen ist das unabhängige Wohlbefinden; diese göttliche Qualität wird zurückkehren, wenn die unterdrückten Gefühle hochkommen und das System verlassen konnten. Denn hinter Hass ist Liebe und hinter Misstrauen ist Vertrauen.“
– Gerda Boyesen
Die kollektive Ebene – Rückbesinnung auf unser Herz in Zeiten der patriarchalen Wunden
Die patriarchale Welt zeichnet sich insbesondere durch Ich- Bezogenheit, Rivalität, Wettbewerb, Machtkampf und Trennung aus. »America first« ist ein deutliches Beispiel dafür.
Eine Rückbesinnung auf den positiven weiblichen Pol, unser Herz, ist nicht nur für die weibliche Hälfte der Bevölkerung elementar. Sondern ebenso für die männliche Seite. Nur gemeinsam können wir aus unseren kollektiven Strukturen, und Wunden herauswachsen.
Aus der Psychotherapie wissen wir, dass jedes Trauma Zuwendung benötigt. Und nicht Abwendung, was es verstärkt oder verschiebt. Das gilt für die kollektiven Traumata genauso.
Wir brauchen Mut, Raum und Zeit und ein mitfühlendes Gegenüber, um uns dem eigenen Herzen zu stellen. Denn es ist überdeckt von Abwehr und Kompensation, um die immensen Schmerzen und Traumata im persönlichen und kollektiven Feld nicht zu fühlen.
Schock, Ängste, Melancholie, Nervosität, innere Unruhe und emotionale Schmerzen sind oft nicht aushaltbar. Vor allem wenn wir damit alleine sind, dann wirken sie retraumatisierend. Wir geraten tiefer in einen Abwärtsstrudel. Hass, Selbsthass, Drogenmissbrauch, Gewalt, Demütigung, Suizidalität, Mord und Totschlag folgen daraus. Apathie, Stumpfheit, Taubheit sind ein weiteres Merkmal des „Nicht- mehr- fühlen- Könnens“. Und keineswegs nur gegen uns selbst richten sich diese brutalen Energien. Sondern gegen andere Menschen, Ethnien und Schwächere. Ein beliebtes Ziel sind die Frauen in dieser Welt. Sexismus und geschlechtsspezifische Gewalt sind Merkmale des Patriarchats.
Die Abwesenheit des Herzens zeigt sich ebenso im Umgang mit den Tieren, Pflanzen und unserer Mutter Erde und dem Leben an sich. Auch hier richtet sich die Aggression gegen das weibliche, lebensschenkende Prinzip.
SOMETHING MORE
Es geht um etwas Größeres
Wir sind nicht ohne Grund zu dieser Zeit auf dieser Erde. Du liest dies nicht zufällig.
Es ist von Bedeutung, dass in diesen schwierigen Zeiten des Umbruchs und der Krisen in der Welt all die wunderbaren Fähigkeiten eines warmen Herzens eingebracht werden. Das System braucht Balance.
Selbst wenn niemand davon weiß und unsere Herzen im Verborgenen in Mitgefühl, Liebe und Dankbarkeit schwingen, wirkt sich das auf das größere Feld aus. Deine nahen Menschen in Familie und Alltag profitieren davon. Eine präsente, fühlende innere Haltung spiegelt sich in Arbeitszusammenhänge und dem Umgang mit der Umwelt wieder. Ein Aufatmen und Entspannen zeigt sich sanft. Unsere Welt benötigt eine Umkehr zu einer Gebe- und Fürsorgekultur, die auf Verbundenheit gegründet ist.
Was brauchen wir, um uns zu fühlen?
Manchmal ist es hilfreich, eine Zeit alleine zu sein. Meist ist jedoch ein echter Kontakt, der uns wahrnimmt, in dem wir uns gefühlt fühlen, unterstützend. Sicherheit und Geborgenheit spielen eine große Rolle.
Schicht für Schicht tragen wir die Panzerungen, Harnische und Blöcke und die verkörperten Abwehrstrategien unseres Herzens ab. Schale für Schale entblättern wir das darunter Verborgene. Diese Arbeit ist für mich weitaus mehr als Therapie. In der Psychotherapie haben wir gelernt mit den Hindernissen der Psyche umzugehen. In der Meditation üben wir den Geist zu beruhigen. Im Herzraum kann ein entspannteres, sicheres Herz sich öffnen und den Schmerz umarmen. Wir erinnern uns zunehmend an unser menschliches Potenzial.
Im Raum des Herzens wird es möglich, sich auf eine wesentlich größere Dimension einzustellen und sie fühlend zu erleben. In diesem erweiterten Feld öffnen sich die wahren Fähigkeiten unseres Menschseins, wie die Forschung von zum Beispiel Joe Dispenza deutlich zeigen. Es entfaltet sich ein Raum, in dem Wunder vorkommen.
In meiner Arbeit begleite ich Menschen darin, den Kontakt zu ihrem eigenen Innersten aufzunehmen. Sowohl in dem sie Raum ganz für sich selbst haben, wie im Retreat, in der Meditation, in achtsamer Bewegung und kreativem Spiel. Als auch im wohlmeinenden Miteinander in Gruppen Neues zu erfahren.
Es ist so wohltuend sich von einem anderen Menschen gesehen, gehört und gefühlt zu fühlen.
